Wie ich lernte, meine Masken fallen zu lassen

Ich betrat den Raum und sah sie sofort.

Andrea stand da, mitten in der Gruppe, und strahlte etwas aus, das ich nicht greifen konnte. So selbstbewusst. So ganz bei sich. Und ich hab mich neben ihr sofort klein gefühlt. Nicht weil sie mich klein gemacht hat. Sondern weil ich damals noch nicht wusste, wie es sich anfühlt, einfach ich selbst zu sein.

Aber dann war da dieses Herz. Das merkst du nicht sofort bei ihr. Erst wenn du dich traust, näher hinzuschauen. Dann merkst du: Da ist jemand, der dich wirklich sehen will. Nicht das, was du nach außen spielst.

Das Foto oben ist übrigens aus genau dieser Zeit in der Schweiz. Ich liebe es, weil es Andrea so zeigt, wie sie ist.

Ich wusste gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin

Das klingt vielleicht dramatisch, aber so war es. Ich hatte über Jahre so viele Sachen gelernt. Sei nicht so sensibel, das nervt. Sei nicht so viel, das ist anstrengend für andere. Lach doch mal, auch wenn dir nicht danach ist.

Irgendwann hab ich das einfach gemacht. Automatisch. Ich hab mich angepasst, bevor überhaupt jemand was gesagt hat. Ich wusste genau, wie ich sein muss, damit es für alle passt.

Nur für mich hat es nicht mehr gepasst. Aber das hab ich lange nicht gemerkt.

Du kennst das wahrscheinlich

Masking. Dieses ständige Beobachten. Wie verhalten sich die anderen? Was wird erwartet? Und dann machst du es einfach. Lächelst, obwohl du eigentlich total überfordert bist. Sagst ja, obwohl du nein meinst. Tust so, als wäre alles easy.

Ich hab das mein ganzes Leben gemacht. Und ich war gut darin. So gut, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste, was ich eigentlich will. Was ich fühle. Wer ich bin, wenn ich nicht gerade versuche, es allen recht zu machen.

Ich erinnere mich an einen Abend bei Freunden. Alle redeten durcheinander, es war laut, es war viel. Ich saß da und hab gelächelt. Hab mitgelacht. Hab so getan, als wäre alles gut. Und als ich abends im Auto saß, hab ich gemerkt: Ich bin komplett leer. Ich hatte den ganzen Abend eine Rolle gespielt. Und das Schlimmste war, dass mir erst auf dem Heimweg aufgefallen ist, dass ich es wieder getan hatte.

Andrea hat mir keine Antworten gegeben

Das fand ich am Anfang fast frustrierend. Ich wollte, dass mir jemand sagt, was ich tun soll. Aber sie macht das nicht.

Sie fragt. Und wartet. Und hält das aus, wenn du nicht sofort eine Antwort hast.

Was davon ist eigentlich deins? Wann hast du angefangen zu glauben, dass du zu viel bist? Von wem hast du das gelernt?

Solche Fragen. Die klingen einfach, aber sie hauen rein.

Irgendwann hab ich angefangen zu weinen

Nicht weil was Schlimmes passiert ist. Sondern weil mir klar wurde, wie lange ich mir selbst nicht zugehört hab.

  • Wie oft ich ja gesagt hab, obwohl alles in mir nein geschrien hat.
  • Wie oft ich gelächelt hab, obwohl ich am liebsten geweint hätte.
  • Wie viel Energie ich jeden Tag verbraucht hab, nur um normal zu wirken.

Das war kein schöner Moment. Aber er war wichtig. Weil ich zum ersten Mal gedacht hab: So will ich nicht mehr weitermachen.

Ich bin noch nicht fertig damit

Falls du jetzt denkst, ich hab das alles hinter mir und bin jetzt total im Reinen mit mir selbst: Nee. So ist es nicht.

Ich rutsch immer noch in alte Muster. Ich merk immer noch, wie ich anfange zu gefallen, bevor ich überhaupt nachdenke. Das geht nicht einfach weg.

Aber ich merk es jetzt. Das ist der Unterschied. Ich hör diese Stimme in mir, die sagt: Hey, das bist nicht du. Das ist die Maske.

Und manchmal schaff ich es, sie abzunehmen.

Warum ich das hier schreibe

Weil ich glaube, dass es vielen von uns so geht. Wir haben uns jahrelang versteckt, um reinzupassen. Und irgendwann haben wir vergessen, wer wir eigentlich sind.

Falls du das kennst: Du bist nicht falsch. Du bist nicht zu viel. Du hast nur irgendwann gelernt, dich unsichtbar zu machen.

Und das lässt sich ändern. Langsam. Aber es geht.

Ich weiß das, weil ich neben der Frau, neben der ich mich damals so klein gefühlt hab, heute einfach ich sein kann. Und das ist wahrscheinlich das Größte, was mir jemand je ermöglicht hat.

Falls du neugierig auf Andrea bist

Die gute Nachricht: Du musst dafür nicht in die Schweiz fahren.

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